Herbstschule Nordhorn

Grafschafter Nachrichten, 03.11.2020
Schülerinnen und Schüler, die in den Herbstferien in der Schule sind und gemeinsam lernen, das ist sicherlich ein seltenes Bild, zeigte sich aber am Evangelischen Gymnasium Nordhorn (EGN). Die Jungen und Mädchen aus den fünften bis achten Klassen lernten jeden Tag von 9 bis 12 Uhr und wurden dabei tatkräftig von ehrenamtlichen Oberstufenschülern und Studenten, so genannten „Lernbegleitern“, unterstützt. So wurde das Projekt, welches schon in den Sommerferien stattfand, erfolgreich fortgesetzt.

Ein Grund dafür, dass es trotz der zusätzlichen Arbeit so viele Anmeldungen gab, dass nicht einmal alle wissbegierigen Lerner angenommen werden konnten, sieht die Schulleiterin des EGN, Gabriele Obst, in der veränderten Wertschätzung von Schule durch die Corona-Pandemie. „Das Homeschooling hat wirklich etwas geändert. Viele Schüler haben gemerkt: Ohne Schule ist es auch nicht toll. Und ich kann manches nicht, komme nicht mit“, sagt die Pädagogin und zeigt damit auch das zentrale Ziel des freiwilligen Lernens auf. Viele Kinder und Jugendliche haben aus den Zeiten des Homeschoolings Lücken, die es zu schließen gilt, was während des geregelten Schulalltags mit allen Schülerinnen und Schülern oft nicht ausreichend gelingt. So haben die Klassenleitungen gezielt Schüler mit Förderbedarf angesprochen und Aufgaben erstellt, die diese in eigener Organisation mit ihren Lernbegleitern lösen sollten. Folglich wurden auch in den freien Tagen knifflige Matheaufgaben gelöst, Vokabeln gepaukt und kreative Aufsätze geschrieben. Dabei kam der Spaß aber nie zu kurz, denn allen war klar, dass die Freiwilligkeit der Anwesenden auch Freiräume für Spiel und Spaß zulässt.

Das ganze Projekt geht dabei aus dem niedersachsenweit initiierten Projekt der „LernRäume“ hervor, das von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen sowie der katholischen Kirche angestoßen wurde. Und so öffneten in den Ferien Schulen, Kirchen, Vereine und andere Institutionen ihre Türen für landesweit mehr als 6500 Kinder und Jugendliche, die eine besondere Unterstützung benötigen.

Für den Organisator am EGN, Thomas van den Berg, ist das Projekt noch nicht beendet. Die ehrenamtlichen Lernbegleiter haben Gutachten für ihre Schützlinge verfasst, in denen sie den Lehrkräften die Entwicklung der Lerner widerspiegeln. Darüber hinaus soll die individuelle Förderung noch nicht beendet sein, schließlich haben sich viele Unter- und Oberstufenschüler sowie Studierende angefreundet, so dass eine kleine Tradition entstehen könnte: „Wir wollen das als ein Mentorenprogramm etablieren und auch in den nächsten Ferien durchführen“, sagt van den Berg. Das Ziel diejenigen zu unterstützen, die Hilfe beim Lernen brauchen, sei schließlich keines, welches sich in zwei Wochen Herbstschule lösen lasse und Ungleichheiten werde es auch noch geben, wenn der Einfluss der Corona-Pandemie nachlasse. So will das EGN mit diesem Programm für ein Stück weit mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen.

Die Jungen und Mädchen der Herbstschule mit ihren Lernbegleitern am Evangelischen Gymnasium Nordhorn.